LIT

Was ist eine LIT-Datei?

Ein eingestelltes Microsoft-E-Book-Format. Nur lesbar — geschrieben wird es von nichts mehr.

Was LIT ist

LIT ist ein Binärformat, das nur einem Programm etwas sagt, das es kennt. Eingesetzt wird es für die Weitergabe fertiger Dateien.

Die Endung lautet .lit, der volle Name Microsoft Reader E-book. Beides sagt weniger aus als das, was die Datei halten kann — und davon handelt der Rest dieser Seite.

Woher LIT kommt

Microsoft hat es 2000 veröffentlicht.

Das Alter ist aus einem praktischen Grund interessant: je älter ein Format, desto mehr Programme hatten Zeit, es zu lernen.

Die Spezifikation gehört dem Hersteller

Sie außerhalb der herstellereigenen Software zu lesen, beruht auf der Arbeit anderer Leute — meist durch Nachsehen, nicht durch Dokumentation. Das geht meistens gut und manchmal nicht, und genau deshalb wandelt man um, was man behalten will.

Es ist abgelöst worden

Wer es gemacht hat, ist weitergezogen, und Unterstützung wird eher zurückgenommen als ergänzt. Was noch in diesem Format liegt, sollte umziehen, solange die Werkzeuge dafür noch da sind.

Es kann mehrere Seiten in einer Datei halten

Eine LIT-Datei ist nicht auf eine Seite beschränkt. Beim Umwandeln in etwas, das es ist, zählt das: Eine Umwandlung ergibt eine Datei mit genau einer Seite — der ersten, sofern sich die Seite nicht auswählen lässt.

Was LIT öffnet

Calibre liest es, und die meisten Programme derselben Art ebenfalls.

Wenn eine Datei nicht aufgeht, liegt es selten am Format — häufiger daran, dass das Programm älter ist als das Format. Die Umwandlung in etwas Älteres ist der verlässliche Weg daran vorbei, und dafür gibt es den Rest dieser Website.

Im Browser öffnen

Kein Browser liest es.

Das ist der häufigste Grund, es umzuwandeln: nicht dass das Format schlecht wäre, sondern dass die Stelle, an der die Datei erscheinen soll, es nicht lesen kann.

Es ist ein Ausgabeformat

LIT ist zum Weitergeben gedacht, nicht zum Arbeiten. Eines zu bearbeiten ist möglich und selten angenehm; der vernünftige Weg führt über die Quelle und einen neuen Export.

Was damit schiefgeht

Die wiederkehrenden Klagen: außerhalb des eigenen Reviers ist die Unterstützung lückenhaft.

Nichts davon ist ein Grund, das Format zu meiden. Es sind die Dinge, die man kennen sollte, bevor eines davon einen überrascht — das ist eine andere und eine nützlichere Behauptung.

Der Hersteller hat den Stecker gezogen

Microsoft Reader kam im Jahr 2000 mit LIT als eigenem Format und ClearType als Verkaufsargument — für damalige Bildschirme tatsächlich eine spürbar bessere Schriftdarstellung. 2011 stellte Microsoft den Verkauf von Büchern ein, 2012 wurde die Anwendung selbst eingestellt.

Seitdem schreibt nichts mehr eine LIT-Datei. Der Reader fehlt in jeder aktuellen Windows-Version, und kein anderer Hersteller hat das Format nachgebaut. Wer heute eine LIT-Datei besitzt, hält ein Objekt aus einem Ökosystem, dessen Türen vor über einem Jahrzehnt geschlossen wurden — und die einzig sinnvolle Reaktion ist, sie umzuwandeln.

Im Inneren steckt ganz gewöhnliches HTML

Technisch ist eine LIT-Datei ein komprimierter Container, abgeleitet von Microsofts alter Hilfedatei-Technik, gefüllt mit HTML, CSS und Bildern. Das erklärt, warum Konvertierung dort funktioniert, wo sie überhaupt möglich ist — eine LIT-Datei ist im Kern eine kleine, verpackte Website, ganz ähnlich wie EPUB.

Der Aufbau wurde von unabhängigen Projekten gut genug dokumentiert, dass freie Werkzeuge ihn lesen können. Eine ungeschützte LIT-Datei nach EPUB umzuwandeln, erhält Text, Kapitelstruktur, Bilder und die meiste Formatierung, weil beide Formate im Grunde dasselbe beschreiben.

Der Kopierschutz ist inzwischen endgültig

Bücher aus dem Microsoft-Store trugen einen Kopierschutz, der an eine Aktivierung von Microsoft Reader auf einem bestimmten Rechner gebunden war — geprüft gegen Microsofts eigene Server.

Diese Server existieren nicht mehr. Eine geschützte LIT-Datei lässt sich auf keinem neuen Rechner mehr aktivieren, weil es nichts mehr gibt, wogegen aktiviert werden könnte, und dafür gibt es keinen unterstützten Weg zurück — weder über Microsoft noch über sonst jemanden. Wer 2005 hundert Bücher kaufte und 2015 Windows neu installierte, hat sie unwiederbringlich verloren. Kaum ein anderes Beispiel zeigt so deutlich, was der Kauf einer Lizenz statt einer Datei tatsächlich bedeutet.

Eine Datei öffnen oder umwandeln, heute

Calibre liest ungeschützte LIT-Dateien über ein Zusatzmodul und wandelt sie nach EPUB um — der praktische Weg für alles, was sich noch öffnen lässt. Diese Umwandlung sollte man eher heute als irgendwann erledigen, denn die Werkzeuge, die das Format noch lesen, werden von Freiwilligen gepflegt, und die Unterstützung schrumpft mit jedem Jahr weiter.

Bei einer geschützten Datei bleibt nur die ehrliche Antwort: Sie lässt sich nicht öffnen. Ob das Entfernen eines Kopierschutzes an einer eigenen Datei rechtlich zulässig ist, hängt vom Land ab, und diese Seite bietet dafür kein Werkzeug an — in diesem konkreten Fall ist ohnehin selbst der rechtlich saubere Weg versperrt, weil die Aktivierungsinfrastruktur nicht mehr existiert.

Die Lehre aus diesem Fall

Zwei Punkte bleiben, und beide gelten auch für Formate, die heute noch breit im Einsatz sind. Ein Format ist nur so langlebig wie die Bereitschaft, es zu implementieren — LIT war nie ein veröffentlichter Standard mit mehreren unabhängigen Umsetzungen, sodass die Dateien nach dem Rückzug des einzigen Herstellers nirgendwo mehr hinkonnten.

Und ein an einen Server gebundener Kopierschutz ist eine Miete mit unbekanntem Enddatum. Jedes Argument für offene, ungeschützte Formate bei allem, das man langfristig behalten will, steckt in dieser Formatgeschichte anschaulicher, als jede Theorie es leisten könnte.

Wohin mit den Büchern stattdessen

EPUB. Ein offener Standard unter der Obhut des W3C, von praktisch jedem E-Reader direkt gelesen — mit Ausnahme von Kindle-Geräten, die seit 2022 eine EPUB-Datei über Send to Kindle annehmen und sie auf Amazons Servern in ihr eigenes Format umwandeln. Auf dem deutschen Markt ist das ohnehin selten das Problem, weil Tolino-Geräte und die meisten hiesigen Lese-Apps EPUB nativ öffnen. Verschwände morgen eine der vielen unabhängigen Implementierungen, blieben alle anderen bestehen.

Einmal umwandeln, prüfen, ob Kapitelstruktur und Metadaten richtig gelandet sind, und dann die EPUB-Datei als die Kopie behandeln, die zählt. Einen Grund, die LIT-Datei danach noch zu behalten, gibt es außer als Beleg der Herkunft nicht.

Die Eckdaten auf einen Blick

Kennungen und Herkunft des Formats LIT.
Endung.lit
Medientypapplication/x-ms-reader
Herausgegeben vonMicrosoft
Erstmals veröffentlicht2000

LIT-Dateien: häufige Fragen

Wie öffne ich eine LIT-Datei?

Calibre liest ungeschützte Dateien über ein Zusatzmodul und wandelt sie nach EPUB um. Microsoft Reader, die einzige Anwendung, die das Format je richtig unterstützt hat, wurde 2012 eingestellt und läuft auf keinem aktuellen Windows mehr.

Warum lässt sich meine LIT-Datei nicht öffnen oder umwandeln?

Fast immer wegen eines Kopierschutzes, der an eine Aktivierung von Microsoft Reader gegen Microsofts eigene Server gebunden war. Diese Server gibt es nicht mehr, also führt kein Weg zu einer Aktivierung auf einem neuen Rechner — weder über Microsoft noch über Dritte.

In welches Format sollte ich eine LIT-Datei umwandeln?

In EPUB. Beide Formate bestehen im Kern aus HTML und CSS, sodass Text, Kapitelstruktur, Bilder und die meiste Formatierung sauber übernommen werden, und EPUB wird von so gut wie jedem E-Reader gelesen. Kindle-Geräte sind die Ausnahme: Sie nehmen eine EPUB-Datei über Send to Kindle an und wandeln sie erst dort um.

Gibt es Microsoft Reader noch?

Nein. Microsoft stellte den Bücherverkauf 2011 ein und die Anwendung 2012, und sie läuft auf keiner aktuellen Windows-Version mehr. Seitdem schreibt nichts mehr eine neue LIT-Datei.

Kann ich im Microsoft-Store gekaufte Bücher noch retten?

Über keinen unterstützten Weg. Der Kopierschutz hing an Aktivierungsservern, die nicht mehr existieren, sodass ein geschütztes Buch, das nicht bereits auf einem aktivierten Rechner liegt, nicht mehr geöffnet werden kann. Es ist das deutlichste Beispiel dafür, dass man dabei eine Lizenz kauft und keine Datei.