MPEG

Was ist eine MPEG-Datei?

Der ursprüngliche Digitalvideo-Standard, nach wie vor das, was DVDs und alte Camcorder liefern.

Was MPEG ist

MPEG ist ein Behälter: eine Hülle für Ströme, die etwas anderes kodiert hat. Eingesetzt wird es für die Ausstrahlung und die Archivierung.

Die Endung lautet .mpeg, der volle Name MPEG Video. Beides sagt weniger aus als das, was die Datei halten kann — und davon handelt der Rest dieser Seite.

Woher MPEG kommt

MPEG hat es 1993 veröffentlicht. Die Spezifikation ist ISO/IEC 11172.

Einem Format, das so lange lesbar geblieben ist, kann man etwas anvertrauen, das man in zehn Jahren wiederhaben will.

Die Spezifikation ist öffentlich

Sie ist vollständig veröffentlicht, das Format lässt sich also aus dem Dokument umsetzen statt durch Nachsehen. Deshalb taucht es in so vielen Programmen auf, und deshalb gehen Dateien von vor zwanzig Jahren heute noch auf. Veröffentlicht heißt allerdings nicht lizenzfrei: Wo ein Format einen Codec einpackt, ist die Patentfrage eine eigene, die der Standard nicht mitbeantwortet.

Es ist ein Altformat

Es geht überall noch auf und wird von älteren Programmen noch geschrieben, aber es wird nichts Neues mehr darum herum gebaut. Wandle um, was du behalten willst, und wähle es nicht für etwas, das heute anfängt.

MPEG ist die Schachtel, der Codec ist der Inhalt

Meistens enthält es MPEG-1 und MPEG-2. Diese Unterscheidung steckt hinter den meisten „Warum läuft das nicht"-Fragen: Zwei Dateien mit derselben Endung können völlig verschiedene Kodierungen enthalten, und ein Abspieler, der die eine verweigert, kommt mit der anderen bestens zurecht.

Sie erklärt auch, warum ein Wechsel des Behälters schnell und verlustfrei ist und ein Wechsel des Codecs keines von beidem. Denselben Strom in eine andere Schachtel zu legen schreibt die Schachtel neu; neu zu kodieren schreibt das Bild neu.

Was es sonst noch tragen kann

MPEG kann einen Aufbau, mit dem es losspielen kann, bevor es vollständig angekommen ist halten.

Wichtig wird das vor allem beim Umwandeln: Was das Ziel nicht halten kann, fällt weg, meist ohne Warnung.

Was MPEG öffnet

VLC und FFmpeg lesen es, und die meisten Programme derselben Art ebenfalls.

Wenn eine Datei nicht aufgeht, liegt es selten am Format — häufiger daran, dass das Programm älter ist als das Format. Die Umwandlung in etwas Älteres ist der verlässliche Weg daran vorbei, und dafür gibt es den Rest dieser Website.

Im Browser öffnen

Kein Browser liest es.

Das ist der häufigste Grund, es umzuwandeln: nicht dass das Format schlecht wäre, sondern dass die Stelle, an der die Datei erscheinen soll, es nicht lesen kann.

Es ist ein Ausgabeformat

MPEG ist zum Weitergeben gedacht, nicht zum Arbeiten. Eines zu bearbeiten ist möglich und selten angenehm; der vernünftige Weg führt über die Quelle und einen neuen Export.

Was damit schiefgeht

Die wiederkehrenden Klagen: die Dateien sind groß für das, was drinsteht.

Nichts davon ist ein Grund, das Format zu meiden. Es sind die Dinge, die man kennen sollte, bevor eines davon einen überrascht — das ist eine andere und eine nützlichere Behauptung.

Das Wort meint mehrere verschiedene Dinge

MPEG ist die Moving Picture Experts Group, das Normungsgremium, das seit 1988 die meisten Video- und Audiokompressionsverfahren definiert hat. Zu seinen Ergebnissen zählen MP3, MP4, H.264, H.265 und AAC. "Eine MPEG-Datei" ist also mehrdeutig auf eine Art, wie es "eine PNG-Datei" nicht ist.

In der Praxis ist eine Datei mit der Endung .mpg oder .mpeg fast immer eines von zwei konkreten Dingen: MPEG-1-Video aus den Neunzigern oder MPEG-2-Video von DVD, Camcorder oder digitalem Rundfunkempfang. Alles Folgende gilt diesen beiden, weil das ist, was tatsächlich in den meisten Ordnern liegt.

MPEG-2 ist, was auf jeder DVD steckt

MPEG-2 kam 1995 und wurde zur Kompression hinter DVD-Video, digitalem Fernsehen — in Deutschland über DVB-T, DVB-C und DVB-S verbreitet — und den Festplatten- und Mini-DVD-Camcordern, die in den 2000ern verkauft wurden. Eine gekaufte DVD ist MPEG-2-Video in einem Program Stream, und eine Aufnahme von einer Set-Top-Box vermutlich ebenso.

Für sein Alter ist es effizient und nach heutigem Maßstab hoffnungslos veraltet. Dieselbe Aufnahme in H.264 ist bei gleicher Qualität grob halb so groß, in H.265 noch einmal kleiner. Das ist das ganze praktische Argument fürs Umwandeln: An der Bildqualität ist nichts falsch, die Datei ist nur ein Vielfaches größer, als sie sein müsste.

Program Stream und Transport Stream

MPEG-2 reist auf zwei Wegen, und der Unterschied erklärt einiges. Ein Program Stream — das .mpg auf einer DVD — geht von einem verlässlichen Speicher aus und packt Daten effizient. Ein Transport Stream, meist .ts oder .m2ts, geht vom Gegenteil aus und wiederholt Synchronisationsinformation ständig, damit ein Empfänger mitten in der Übertragung einsteigen und Fehler ausgleichen kann.

Deshalb ist eine Aufnahme aus dem digitalen Rundfunk oder von einer Blu-ray ein Transport Stream: dafür gebaut, im laufenden Betrieb aufgegriffen zu werden. Das bedeutet auch, dass eine solche Datei etwas größer sein kann, als der Inhalt bräuchte, und mehrere Programme gleichzeitig enthalten kann — der Grund, warum eine Aufnahme manchmal den falschen Sender abspielt.

Interlacing, und der Kammeffekt bei schneller Bewegung

Video aus dieser Zeit ist häufig interlaced: Jedes Bild besteht aus zwei Halbbildern, eines mit den ungeraden Zeilen, eines mit den geraden, ein Fünfzigstel einer Sekunde auseinander aufgenommen — die PAL-Norm, mit der in Deutschland aufgenommen wurde. Fernseher jener Zeit stellten das genau so dar, und es sah richtig aus.

Auf jedem heutigen Bildschirm nicht mehr. Schnelle Bewegung zeigt einen horizontalen Kammeffekt an bewegten Kanten, weil zwei verschiedene Zeitpunkte gleichzeitig dargestellt werden. Das ist das erkennbarste Zeichen einer MPEG-2-Quelle, und es braucht De-Interlacing während der Umwandlung, nicht danach — sobald beide Halbbilder zu einem Vollbild verschmolzen sind, ist die Information zum Trennen unwiederbringlich weg.

Was fehlt

Keine Untertitelspur in der Datei — DVD-Untertitel liegen in einem eigenen Stream, auf den der Container verweist, und überstehen eine Extraktion selten. Keine Kapitel im Videofile selbst, die gehören zur DVD-Struktur drumherum. Kein Ausrichtungsflag, kein Platz für die Metadaten, die eine heutige Kamera schreibt.

Eine DVD auf eine einzelne .mpg-Datei zu rippen verliert deshalb die Menüs, die Kapitelmarken und die Untertitel, auch wenn Bild und Ton unbeschädigt ankommen. Wenn das wichtig ist, ist MKV der Container, der all das hält — ein großer Grund, warum sich DVD-Archivierung auf MKV eingespielt hat.

Patente, und warum es niemand mehr benutzt

MPEG-2 war durch einen großen Patentpool geschützt, und jeder DVD-Player, jeder Fernseher und jeder Encoder trug eine Lizenzgebühr. Diese Patente liefen um 2018 aus, das Format ist seither frei nutzbar — nur hatte H.264 es da längst überall abgelöst, und die Frage war bereits erledigt.

Die Lizenzgeschichte erklärt, warum freie Software MPEG-2 zwei Jahrzehnte lang nur umständlich behandelte und warum das plötzlich kein Problem mehr war. Ein passendes Beispiel dafür, wie diese Formate altern: Als die rechtliche Hürde fiel, war das technische Argument längst hinfällig.

Woher die eigene Datei stammt

Von der Festplatte gerippte DVDs. Camcorder, die in den 2000ern auf Mini-DVD oder Festplatte aufnahmen. Aufnahmen von einem digitalen Fernsehempfänger oder einer Set-Top-Box. Gelegentlich Video-CDs. Alte Digitalkameras mit Videofunktion. Und Archive aus der Zeit, als MPEG-2 einfach das war, was Video hieß.

Wie bei AVI heißt das meist: Die Datei ist alt und oft nicht mehr ersetzbar, der Wert liegt in der Aufnahme, nicht im Format. Zum Ansehen umwandeln, das Original behalten, wenn es die einzige Kopie von etwas ist.

Warum diese Seite MPEG aktuell nicht umwandelt

Ehrlich gesagt: gar nicht, in keine Richtung. Kein Browser stellt WebCodecs einen Decoder für MPEG-1 oder MPEG-2 zur Verfügung — anders als bei modernen Formaten liegt hier keine Betriebssystem-Fähigkeit vor, auf die sich zurückgreifen ließe. Die dafür angelegte Umwandlungsregel wartet serverseitig auf einen ffmpeg-Unterbau, der im Container noch nicht installiert ist, und ist entsprechend als geplant markiert.

Wer eine .mpg- oder .mpeg-Datei tatsächlich umwandeln will, braucht dafür aktuell ein eigenständiges Werkzeug auf dem Rechner, zum Beispiel HandBrake, das De-Interlacing beherrscht — genau das, was so gut wie jede DVD- oder Rundfunkaufnahme braucht — und großzügig bei der Qualitätseinstellung sein sollte: Die Quelle hat bereits eine Generation eines schwachen Codecs hinter sich, der zweite Durchgang sollte großzügig genug sein, um unsichtbar zu bleiben.

Die Eckdaten auf einen Blick

Kennungen und Herkunft des Formats MPEG.
Endung.mpeg, .mpg, .mpe
Medientypvideo/mpeg
Herausgegeben vonMPEG
Erstmals veröffentlicht1993
SpezifikationISO/IEC 11172