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MP4
Das Videoformat, das überall läuft. Im Zweifel ist das die Antwort.
MP4
MP4 ist ein Behälter: eine Hülle für Ströme, die etwas anderes kodiert hat. Eingesetzt wird es für die Weitergabe fertiger Dateien, das Web und Telefone.
Die Endung lautet .mp4, der volle Name MPEG-4 Video. Beides sagt weniger aus als das, was die Datei halten kann — und davon handelt der Rest dieser Seite.
MPEG hat es 2001 veröffentlicht. Die Spezifikation ist ISO/IEC 14496-14.
Das Alter ist aus einem praktischen Grund interessant: je älter ein Format, desto mehr Programme hatten Zeit, es zu lernen.
Sie ist vollständig veröffentlicht, das Format lässt sich also aus dem Dokument umsetzen statt durch Nachsehen. Deshalb taucht es in so vielen Programmen auf, und deshalb gehen Dateien von vor zwanzig Jahren heute noch auf. Veröffentlicht heißt allerdings nicht lizenzfrei: Wo ein Format einen Codec einpackt, ist die Patentfrage eine eigene, die der Standard nicht mitbeantwortet.
Meistens enthält es H.264, HEVC, AV1 und AAC. Diese Unterscheidung steckt hinter den meisten „Warum läuft das nicht"-Fragen: Zwei Dateien mit derselben Endung können völlig verschiedene Kodierungen enthalten, und ein Abspieler, der die eine verweigert, kommt mit der anderen bestens zurecht.
Sie erklärt auch, warum ein Wechsel des Behälters schnell und verlustfrei ist und ein Wechsel des Codecs keines von beidem. Denselben Strom in eine andere Schachtel zu legen schreibt die Schachtel neu; neu zu kodieren schreibt das Bild neu.
MP4 kann mehrere Tonspuren, Untertitelspuren und einen Aufbau, mit dem es losspielen kann, bevor es vollständig angekommen ist halten.
Wichtig wird das vor allem beim Umwandeln: Was das Ziel nicht halten kann, fällt weg, meist ohne Warnung.
VLC, HandBrake und Adobe Premiere Pro lesen es, und die meisten Programme derselben Art ebenfalls.
Wenn eine Datei nicht aufgeht, liegt es selten am Format — häufiger daran, dass das Programm älter ist als das Format. Die Umwandlung in etwas Älteres ist der verlässliche Weg daran vorbei, und dafür gibt es den Rest dieser Website.
Jeder aktuelle Browser liest es.
Damit lässt es sich bedenkenlos auf eine Seite stellen oder an eine Nachricht hängen, ohne sich zu fragen, was die Gegenseite installiert hat.
MP4 kann Dokumenteigenschaften halten.
Ob davon etwas eine Umwandlung übersteht, hängt ganz am Zielformat, und die ehrliche Antwort lautet meistens „ein Teil".
MP4 ist zum Weitergeben gedacht, nicht zum Arbeiten. Eines zu bearbeiten ist möglich und selten angenehm; der vernünftige Weg führt über die Quelle und einen neuen Export.
Das erklärt fast jede verwirrende Eigenschaft von MP4. Die Datei legt nicht fest, wie das Bild komprimiert wird — sie legt fest, wie mehrere komprimierte Datenströme nebeneinander gespeichert, indiziert und synchron gehalten werden. Video, Ton, Untertitel und Kapitelmarken liegen jeweils in eigenen Spuren, und MP4 ist die Kiste, in der sie reisen.
„MP4-Qualität“ ist deshalb keine Eigenschaft von MP4. Zwei Dateien mit gleicher Endung und gleicher Größe können völlig verschieden aussehen, weil die eine H.264 enthält und die andere AV1 — und ein Player, der die eine verweigert, spielt die andere anstandslos ab. Streikt eine MP4-Datei, ist der Behälter selten der eigentliche Verdächtige.
Beim Bild ist H.264 seit fünfzehn Jahren die überwältigende Vorgabe: Jedes Telefon, jede Kamera, jeder Browser, jeder Fernseher dekodiert es, häufig direkt in eigener Hardware. H.265 taucht auf, wo die Datei kleiner sein musste — besonders bei 4K-Aufnahmen neuerer Telefone —, und AV1 kommt zunehmend aus Streamingdiensten und neueren Aufnahmegeräten.
Beim Ton ist AAC die fast universelle Antwort, gelegentlich MP3 in älteren Dateien, selten unkomprimiertes PCM. Praktisch heißt das: H.264 zusammen mit AAC ist die Kombination, die überall ohne Nachdenken abspielt, alles andere ist ein bewusster Tausch von Kompatibilität gegen Dateigröße.
Weil der Player für den Inhalt der ersten Datei einen Dekoder hat und für den der zweiten nicht. Ein 2016er Fernseher beherrscht H.264 in Hardware und kennt AV1 schlicht nicht. Ein älteres Schnittprogramm öffnet H.264 klaglos und weist H.265 zurück, weil die Lizenz zur Dekodierung nie erworben wurde. Die Fehlermeldung nennt meist nur eine nicht unterstützte Datei, ohne den Grund zu erklären.
Die Diagnose ist schnell gemacht: welcher Codec steckt in der Datei. Ist es H.265 oder AV1 und das Zielgerät alt, hilft eine Neukodierung zu H.264 — auf Kosten einer größeren Datei und einer Qualitätsgeneration. Ist es bereits H.264, liegt das Problem woanders: ein beschädigter Index, eine exotische Tonspur, ein Player, der eine andere Dateiendung erwartet.
Eine MP4-Datei führt ein Inhaltsverzeichnis — historisch moov-Atom genannt —, das beschreibt, wo jedes einzelne Bild liegt. Viele Werkzeuge schreiben es ans Dateiende, weil sein Inhalt erst feststeht, wenn die Kodierung fertig ist. Auf der lokalen Festplatte ist das folgenlos, über eine Netzwerkverbindung ein echtes Problem: Der Player kann erst starten, wenn er dieses Verzeichnis hat, lädt also im Zweifel die ganze Datei, bevor überhaupt ein Bild erscheint.
Die Lösung heißt meist Fast Start oder Web-Optimierung und verschiebt genau dieses Verzeichnis an den Dateianfang. Am Bild selbst ändert sich nichts. Zeigt ein Video auf einer Webseite eine lange leere Pause, bevor es startet, während dieselbe Datei vom eigenen Rechner sofort läuft, liegt es fast immer daran.
MP4 wurde aus Apples QuickTime-Format heraus standardisiert, und beide teilen sich die Struktur so weit, dass viele Dateien als beides gültig sind. Ein von .mov in .mp4 umbenanntes Video spielt in vielen Programmen anstandslos ab und umgekehrt — ein Hinweis auf die Nähe der Formate, kein verlässliches Verfahren.
Die verbleibenden Unterschiede liegen an den Rändern: MOV kann die auf Schnittarbeit ausgerichteten Codecs von Apples eigenen Werkzeugen tragen, etwa ProRes, mit denen kein MP4-Player rechnet. Als Faustregel: MOV entsteht bei Aufnahme und Schnitt auf Apple-Hardware, MP4 ist das, was danach an alle anderen ausgeliefert wird.
MP4 kann eine zeitgesteuerte Textspur tragen, aber die Unterstützung beim Lesen ist so uneinheitlich, dass sich kaum jemand darauf verlässt. Desktop-Player finden sie meist; Browser, Fernseher und Set-Top-Boxen übergehen sie oft, sodass Untertitel, die auf dem Ursprungsgerät funktionierten, überall sonst verschwinden.
Zwei Auswege sind üblich, und beide sind ehrlich in ihrem Tausch. Eine separate SRT- oder VTT-Datei neben dem Video wird überall verstanden und lässt sich abschalten, muss aber mitgeliefert werden. Untertitel fest ins Bild einbrennen sorgt dafür, dass sie überall erscheinen, macht sie aber dauerhaft, unabschaltbar und nicht übersetzbar.
Komprimiertes Video besteht aus gelegentlichen vollständigen Bildern und vielen dazwischenliegenden Bildern, die nur die Änderung beschreiben. Deshalb lässt sich eine MP4-Datei an diesen vollständigen Bildern schneiden, ohne das Bild anzufassen, während ein Schnitt an jeder anderen Stelle Dekodieren und Neukodieren dieses Abschnitts erfordert — mit einer Qualitätsgeneration als Preis.
Drehung ist die nützliche Ausnahme. Die Ausrichtung ist als Kennzeichen gespeichert, nicht in die Bildpunkte eingebrannt, ein Video richtig herum zu drehen ist also eine reine Metadatenänderung und sofort erledigt. Größe ändern, Bildrate anpassen, Ton bearbeiten und Clips mit unterschiedlichen Einstellungen zusammenfügen sind dagegen echte Neukodierungen.
Die Umwandlung läuft vollständig im Browser über die eigenen Videocodecs des Geräts — es gibt keinen Server, der als Ersatz einspringt, falls der Browser einen Codec nicht beherrscht. Statt einer festen Zahl gibt die Qualitätsauswahl niedrig, mittel oder hoch an das dahinterliegende Kodierwerkzeug weiter, das je Codec selbst entscheidet, was das bedeutet — eine feste Bitrate lässt sich dafür nicht seriös nennen. Auflösung lässt sich nur nach unten verändern: Ist die gewünschte Höhe bereits erreicht oder überschritten, bleibt die Datei unverändert.
Eine Videospur wird beim Umwandeln von MP4 zu MP4 oder in einen anderen Behälter neu kodiert statt kopiert, und eine Tonspur in AC-3, E-AC-3, DTS oder TrueHD wird dabei verworfen — das Bild kommt an, der Ton fehlt. Untertitelspuren und Kapitel gehen bei einer Video-zu-Video-Umwandlung ebenfalls verloren, weil das Zwischenformat sie nicht abbilden kann. Alles bleibt bis 100 MB je Datei auf dem eigenen Gerät.
| Endung | .mp4 |
|---|---|
| Medientyp | video/mp4 |
| Herausgegeben von | MPEG |
| Erstmals veröffentlicht | 2001 |
| Spezifikation | ISO/IEC 14496-14 |