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ODT
Der offene Textdokumentstandard, geschrieben von LibreOffice und OpenOffice.
ODT
ODT ist ein Behälter: eine Hülle für Ströme, die etwas anderes kodiert hat. Eingesetzt wird es für die Bearbeitung und die Archivierung.
Die Endung lautet .odt, der volle Name OpenDocument Text. Beides sagt weniger aus als das, was die Datei halten kann — und davon handelt der Rest dieser Seite.
OASIS hat es 2005 veröffentlicht. Die Spezifikation ist ISO/IEC 26300.
Das Alter ist aus einem praktischen Grund interessant: je älter ein Format, desto mehr Programme hatten Zeit, es zu lernen.
Sie ist vollständig veröffentlicht, das Format lässt sich also aus dem Dokument umsetzen statt durch Nachsehen. Deshalb taucht es in so vielen Programmen auf, und deshalb gehen Dateien von vor zwanzig Jahren heute noch auf. Veröffentlicht heißt allerdings nicht lizenzfrei: Wo ein Format einen Codec einpackt, ist die Patentfrage eine eigene, die der Standard nicht mitbeantwortet.
Eine ODT-Datei ist nicht auf eine Seite beschränkt. Beim Umwandeln in etwas, das es ist, zählt das: Eine Umwandlung ergibt eine Datei mit genau einer Seite — der ersten, sofern sich die Seite nicht auswählen lässt.
ODT enthält ein Textdokument: Absätze, die sich auf die jeweilige Seite umbrechen.
Daraus folgt, wie es sich umwandeln lässt: Der Text bricht neu um, Seitenzahlen sind also eine Eigenschaft des Ergebnisses und nicht der Datei.
ODT bringt optionale Verschlüsselung mit.
Eine verschlüsselte Datei muss aufgeschlossen werden, bevor sie irgendetwas umwandeln kann — hier wie überall. Ein Passwort ist nichts, was ein Umwandler umgehen kann, und einem, der es behauptet, sollte man die Datei erst recht nicht geben.
LibreOffice Writer, Microsoft Word und Google Docs lesen es, und die meisten Programme derselben Art ebenfalls.
Wenn eine Datei nicht aufgeht, liegt es selten am Format — häufiger daran, dass das Programm älter ist als das Format. Die Umwandlung in etwas Älteres ist der verlässliche Weg daran vorbei, und dafür gibt es den Rest dieser Website.
Kein Browser liest es.
Das ist der häufigste Grund, es umzuwandeln: nicht dass das Format schlecht wäre, sondern dass die Stelle, an der die Datei erscheinen soll, es nicht lesen kann.
ODT kann Dokumenteigenschaften halten.
Ob davon etwas eine Umwandlung übersteht, hängt ganz am Zielformat, und die ehrliche Antwort lautet meistens „ein Teil".
ODT ist zum Öffnen und Ändern gedacht. Behalte die Datei in diesem Format, solange die Arbeit läuft, und exportiere daraus, wann immer eine fertige Fassung gebraucht wird.
ODT ist die Textverarbeitung von OpenDocument, dem Format, das LibreOffice, OpenOffice und Google Docs schreiben, sobald etwas Offenes verlangt wird. Fast jede ODT im Umlauf stammt von einem dieser Programme, denn Word liest und schreibt sie zwar, schlägt sie aber nie von sich aus vor.
Aus dieser Schieflage entsteht der häufigste Fall hier: Jemand schickt eine ODT an eine Word-Nutzerin, die per Doppelklick nichts Brauchbares bekommt — meist weil die Dateizuordnung an einen Texteditor oder ein Packprogramm geht, nicht weil Word mit dem Inhalt nicht zurechtkäme. Aktuelles Word öffnet ODT problemlos, es ist nur nicht der voreingestellte Besitzer der Endung.
Eine ODT in .zip umbenennen, und sie öffnet sich. Darin liegen wenige XML-Dateien — der Text in einer, die Formatvorlagen in einer zweiten, die Dokumentmetadaten in einer dritten — dazu ein Ordner mit den eingebetteten Bildern. Der Aufbau ist einfach genug, um ihn ohne Werkzeug zu lesen.
DOCX ist genauso gebaut, weshalb eine Umwandlung zwischen beiden eine echte strukturelle Übersetzung ist statt einer Rekonstruktion — und deutlich getreuer gelingt als der Weg zu einem binären Format wie DOC. Die beiden Formate sind sich uneins über Namen und Details, nicht darüber, was ein Dokument im Kern ist.
OpenDocument ist ISO/IEC 26300 und wurde 2006 von einem Gremium genormt, nicht von einem Hersteller veröffentlicht. Im Alltag ist das kein technischer Vorteil — ein Absatz bleibt ein Absatz, egal wie —, aber es ist der ganze Grund, warum das Format existiert und warum manche Stellen es vorschreiben.
Schleswig-Holstein hat 2021 als erstes deutsches Bundesland beschlossen, seine Verwaltung schrittweise von Microsoft Office auf LibreOffice und ODF umzustellen, ausdrücklich mit der Begründung digitaler Souveränität. Wer für eine Bürgerin oder einen Bürger dreißig Jahre lesbar sein muss, ohne von einem einzelnen Hersteller abhängig zu bleiben, findet in einem offen genormten Format ein Argument, das eine reine Textseite nicht hat.
Weniger, als man erwartet. Text, Überschriften, Listen, Tabellen, Fuß- und Endnoten, Bilder, Hyperlinks, Kommentare und Änderungsverfolgung wandern zuverlässig mit. Bei der großen Mehrheit der Dokumente ist die umgewandelte Datei dasselbe Dokument, und eine Leserin würde den Unterschied nicht bemerken.
Was am Rand verrutscht: Die beiden Formate drücken manche Listennummerierung, manche Rahmenpositionierung und manche Feldtypen unterschiedlich aus, sodass ein stark formatiertes Dokument leicht verspringen kann. Unterscheiden sich die Schriften zwischen den Rechnern, verschiebt sich auch der Zeilenumbruch und damit der Seitenumbruch bei einem längeren Text. Kommt es auf die exakte Paginierung an, ist PDF die richtige Antwort, nicht DOCX.
Mehrere Verwaltungen schreiben ODF für Dokumente vor, die sie veröffentlichen oder entgegennehmen, mit der Begründung, dass niemand bestimmte Software kaufen muss, um eine öffentliche Vorlage lesen zu können. Neben Schleswig-Holstein gibt es einzelne Kommunen und Behörden mit ähnlichen Vorgaben, teils in Beschaffungsrichtlinien festgeschrieben.
Wurde eine ODT statt einer DOCX verlangt, liegt das fast sicher daran — und die Anforderung betrifft das offene Format, nicht das verwendete Programm. Word speichert selbst als ODT, über Speichern unter und die Auswahl OpenDocument-Text, sodass die Vorgabe keinen Wechsel der Textverarbeitung erfordert.
Eine ODT benennt ihre Schriften und bettet sie in der Regel nicht ein. Ein Dokument, das unter LibreOffice auf Linux entstand, kann Schriften verlangen, die auf einem Windows-Rechner fehlen, und der Ersatz hat andere Zeichenbreiten.
Das Ergebnis ist ein Dokument, das inhaltlich völlig korrekt ist und trotzdem falsch aussieht: eine Überschrift, die auf zwei Zeilen umbricht, eine Tabellenspalte, die plötzlich zu eng ist, eine Seite, die eine Zeile zu früh endet. Nichts ist verloren gegangen und nichts muss repariert werden. Wer sich an Schriften hält, die überall vorhanden sind, umgeht das Problem; ein PDF erübrigt die Frage ganz.
Eine ODT kann Makrocode tragen, meist in LibreOffice Basic. Die tatsächliche Gefahr ist kleiner als im Microsoft-Umfeld — vor allem weil Angreifer die größere installierte Basis dort ins Visier nehmen —, aber sie ist nicht null, und dieselbe Vorsicht gilt wie bei einem unerwarteten Anhang.
LibreOffice deaktiviert Makros aus nicht vertrauenswürdigen Quellen standardmäßig und fragt vor jeder Ausführung nach. Statt eine unerwartete Datei zu öffnen, sie umzuwandeln, ist ein vernünftiger Weg, um an den Inhalt zu kommen, denn eine Umwandlung nimmt den Text mit und lässt den Code zurück.
ODT hat eine Familie: ODS für Tabellen, ODP für Präsentationen, ODG für Zeichnungen. Sie teilen sich denselben Container und denselben Standard und verhalten sich zu XLSX und PPTX so, wie ODT sich zu DOCX verhält.
Das ist wichtig zu wissen, denn ein aus LibreOffice exportierter Ordner kommt gemischt an, und dasselbe Werkzeug öffnet meist alle davon. Schickt eine Kollegin Arbeit in ODT, sind die Tabellen mit hoher Wahrscheinlichkeit ODS statt XLSX — den ganzen Satz umwandeln statt das zweite Format erst später zu entdecken.
Die ODT behalten, wenn das Dokument weiter bearbeitet wird, besonders in LibreOffice — es ist das Format, das die eigene Software verlustfrei liest und schreibt, und jede Umwandlung ist eine kleine Übersetzung. Eine DOCX schicken, wenn die Empfängerin Word nutzt und weiterarbeiten wird.
Ein PDF schicken, wenn es fertig ist. Damit löst sich die ganze Frage ODT gegen DOCX für die meisten Dokumente auf: Sie existiert nur, solange die Datei noch bearbeitet wird, und ist erledigt, sobald das Dokument fertig ist.
| Endung | .odt |
|---|---|
| Medientyp | application/vnd.oasis.opendocument.text |
| Herausgegeben von | OASIS |
| Erstmals veröffentlicht | 2005 |
| Spezifikation | ISO/IEC 26300 |